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Im Oktober 1935 reisten zwei Literatur-Stars der Sowjetunion, der fünfunddreißigjährige Ilja Ilf und der drei Jahre jüngere Jewgeni Petrow, nach Amerika. Im Auftrag der "Prawda" sammelten sie Eindrücke aus einem Land, dessen Industrialisierung als Ansporn galt für Stalins neuen Menschen. Da die beiden weder Autofahren noch Englisch konnten, ließen sie sich begleiten vom Ehepaar Adams. Ihr Buch "Das eingeschossige Amerika" wurde ein Erfolg, erzählte es doch mit unverstelltem Blick nicht nur vom technischen Fortschritt des fernen Landes, sondern auch vom Alltag der Amerikaner, die weniger in Hochhäusern als in Kleinstädten lebten und irgendwie "eingeschossig" waren. Felicitas Hoppe schrieb dazu das Vorwort. Das Buch wurde im Juli 2016 von Monika vorgestellt.

Im September 2015 reiste Felicitas Hoppe, unterstützt von der "Villa Aurora" und Goethe-Instituten, mit den bildenden Künstlern Alexej Meschtschanow (Kiew, 42 Jahre), Jana Müller (Halle/Saale, 38 Jahre) und der emeritierten Wiener Literaturwissenschaftlerin Ulrike Rainer auf den Spuren von "Ilf und Petrow": von Boston über San Francisco bis Los Angeles und zurück nach New York. Jana Müller fotografierte.

Die Gruppe nimmt einen rubinroten Ford für die Reise. Während der Reise entsteht ein Blog. Anfang 2017 präsentieren Hoppe, Müller und Meschtschanow diese Fahrt als Installation im Kunstverein Langenhagen. Dies, und vieles mehr, lässt sich unter dem Namen des Kleinplaneten "3668.Ilfpetrow" im Netz nachverfolgen.

Und nun das Buch: "Prawda - Eine amerikanische Reise". Es ist interessant wie die Quadratur des Kreises. Oder wie ein Hybrid. Denn lässt sich die literarische Reportage, die, dem Thema dienend, im besten Sinn keusch sein darf (muss?), mit einem lustvoll-draufgängerischen Fabulieren verbinden, das im Erzählen seine Figuren, sein Thema erst erschafft? Natürlich sieht Felicitas Hoppe das Problem. Leitmotivisch durchzieht die Formulierung "wirklich (tatsächlich)" den Text. Was in Romanen wie "Johanna" und radikaler in "Hoppe" (beide kommen als Echo-Spiele in "Prawda" vor) funktioniert, klappt nun nicht immer. Das liegt daran, dass "Prawda" nicht nur eine Hauptfigur hat, die nach dichterischem Belieben und Vermögen konstruiert und dekonstruiert werden kann, sondern von einer Reise durch einen Kontinent und von Begegnungen mit wirklichen ("tatsächlichen") Menschen handelt.